VÖR Optimierung der Rübenlogistikkette

Jährlich werden in Österreich von Ende September bis Ende November rund drei Millionen Tonnen Zuckerrüben geerntet und im Anschluss in zwei Fabriken verarbeitet. Der Transport der Zuckerrüben vom Feld bis zur Fabrik ist mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden. Zur Bewältigung dieses Aufwandes entwickelte die RISC Software GmbH ein mathematisches Modell und eine Individualsoftwarelösung, die eine Optimierung der Transportwege und -zeiten ermöglicht.

In Österreich produzieren rund 8600 Rübenbauern jährlich an die drei Millionen Tonnen Zuckerrüben. Dies entspricht ungefähr 3.000 voll beladenen Güterzügen oder 120.000 Lkw-Ladungen oder 220.000 Traktorfuhren. Die Erntezeit dauert im Durchschnitt zwei Monate (Ende September bis Ende November). Zur Verarbeitung dieser Menge wird in den beiden österreichischen Zuckerfabriken ein Zeitraum von 100 – 110 Tagen benötigt.

Eine beträchtliche Rübenmenge muss somit nach der Ernte, auf dem Weg vom Feld zur Fabrik, mehrere Wochen zwischengelagert werden. Dazu wurden an strategisch und wirtschaftlich günstigen Orten Rübenlagerplätze angelegt, an denen die Zuckerrüben während der Erntezeit übernommen und bis zum Abtransport in eine der Zuckerfabriken zwischengelagert werden. Ein reibungsloser Ablauf der Rübentransporte, die Zwischenlagerung auf den Rübenlagerplätzen sowie eine gleichmäßige und kontinuierliche Versorgung aller Zuckerfabriken mit Zuckerrüben stellt somit eine enorme logistische Herausforderung dar.

Optimierungsmodell für Rübenlogistik

Bereits vor einigen Jahren wurde die RISC Software GmbH von der Vereinigung der österreichischen Rübenbauernorganisationen (VÖR) damit beauftragt, die Logistikkette für den gesamten Zuckerrübentransport, den Abtransport vom Feld des Bauern über die Zwischenlagerung an einem Rübenlagerplatz und den Weitertransport bis zur Fabrik, zu optimieren.

Dabei mussten in der Vergangenheit insbesondere die Vorgaben der EU nach einer drastischen Reduktion der Lagerplätze (von damals 128 auf maximal 54) berücksichtigt werden. RISC entwickelte für die gesamte Rübenlogistikkette ein mathematisches Computermodell, das die Standorte aller Rübenbauern, Lagerplätze und Fabriken, zahlreiche Transport-, Kosten- und Materialflussrestriktionen sowie verschiedenste Liefermodelle (Traktor, Lkw, Bahn, …) im Detail abbildet.

Ergebnis

Basierend auf diesem Computermodell konnten mit mathematischen Algorithmen für kombinatorische Optimierungsprobleme Lösungen berechnet werden, die um einige hunderttausend Euro jährlich günstiger waren als jene Lösungen, die von Experten vorab als kostengünstige Alternativen erarbeitet wurden. Mittlerweile wurde eine Variante in die Realität umgesetzt, die auf den Optimierungsergebnissen der von RISC entwickelten Software beruht. Mehrere Rübenlagerplätze wurden geschlossen, einige neue wurden an strategisch günstigen Orten, an denen auch ein Bahnanschluss möglich war, errichtet.

Simulationsumgebung für Rübenlogistik

Da sich die organisatorischen Rahmenbedingungen für den Zuckerrübenanbau einerseits (zulässige Anbaumenge, handelbare Lieferquoten, Marktpreis für Zucker und Rüben) und die Kostenfaktoren für die Abwicklung der Rübenlogistik andererseits (Lkw-Maut, Bahntarife, …) laufend ändern, wurde nun das Computermodell für die Rübenlogistik um aktuelle Restriktionen ergänzt und zu einer Simulationsumgebung erweitert. Dies erlaubt den Experten von der Vereinigung der österreichischen Rübenbauernorganisationen verschiedenste Szenarien aktueller und künftiger Entwicklungen zu simulieren und deren Auswirkungen anhand des Simulationsmodells bereits im Voraus zu beurteilen. Darüber hinaus erlangen die Entscheidungsträger mit Hilfe dieser Simulationsmodelle nachhaltige Sicherheit bei ihren Beschlüssen.

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