Biomechanische Simulation von Augenfehlstellungen und Schieloperationen.

Die Forschungsinitiative SEE-KID / CEVD beschäftigt sich bereits seit mehr als 19 Jahren mit der computer­unterstützten Simulation von Augenfehlstellungen und deren operativer Korrektur. Ein wesentliches Ziel ist dabei die Entwicklung des Softwaresystems SEE++ als neuartiges Lehr- und Lernmittel, welches ein anschauliches Denken besonders bei komplexen funktionellen Störungen unterstützt. Neben einem biomecha­nischen Modell des menschlichen Auges bietet das Softwaresystem außerdem die Simulation eines drei­dimensionalen „virtuellen Patienten“ in Kombination mit einer realistischen Darstellung der Muskelform und -bewegung. Dadurch wird eine interaktive Simulation von Fehlstellungen und Augenmuskeloperationen ermöglicht.

Um den Einsatz der Software in der Lehre und Ausbildung weiter zu verbessern, wurde die 3D-Darstellung des virtuellen Patienten in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Die jüngsten Erwei­terungen befassen sich mit der Integration des Gehirns sowie einer dynamischen Darstellung der einzelnen Teile des Gehirns. Verschiedene Interaktionsmöglichkeiten für die einzelnen Gehirnteile sowie die Möglichkeit sich verschiedene Klassifikationen auf der Hirnoberfläche einzeichnen und medizinische Informationen dazu anzeigen zu lassen, tragen wesentlich zum besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Auge und Gehirn bei. Die zukünftigen Projektarbeiten werden sich auf die Weiterentwicklung des biomechanischen Modells sowie auf die Simulation neuer Operationstechniken konzentrieren.

Seit 2010 wird außerdem an der Entwicklung der neuen Anwendung „AmblyoCare“ gearbeitet. Sie bietet genormte und variable Tests für die klassischen Amblyopiebehandlungsmethoden am Computer an, um zusätzliche Eigenschaften des Sehvorganges besser zu erfassen und damit Sehreste für den Alltag besser nutzbar zu machen. Die tägliche Arbeit mit dem Patienten wird durch die Flexibilität der Software deutlich erleichtert. Die praktische Anwendung von AmblyoCare in der Klinik wird in Österreich derzeit in der Amblyopiediagnose und -therapie und in der Sehfrühförderung evaluiert, wo es immer häufiger konventionelle Hilfsmittel, wie z.B. die Nystagmustrommel oder Bilderkarten, ergänzt oder sogar ablöst.

Durch die Zertifizierung von AmblyoCare als Medizinprodukt in Europa kann die Software (bedenkenlos) als medizinisches Werkzeug in der Diagnose und Therapie eingesetzt werden. Um die Bedienung für den klinischen Alltag möglichst einfach und effizient zu gestalten und gleichzeitig einen umfangreichen Pool an Funktionen anbieten zu können, wird in Zusammenarbeit mit ÄrztInnen und AnwenderInnen laufend an Verbesserungen der angebotenen Untersuchungsmöglichkeiten und der Benutzeroberfläche gearbeitet.

Des Weiteren wird es schon bald eine eigenständige Version von AmblyoCare für den Einsatz in der Heimanwendung geben. Die Bedienbarkeit des Softwaresystems wird stark vereinfacht um den Fokus auf den Therapieerfolg zu lenken. Dadurch werden neue Möglichkeiten für die erfolgreiche und effektive Behandlung geschaffen.

Sowohl UntersucherInnen als auch PatientInnen erhalten von überall aus Zugriff auf ihre Untersuchungsabläufe und können diese untereinander austauschen. Die erforderlichen Daten werden dabei in einer Datenbank gespeichert und durch Authentifizierungs- und Autorisierungsmechanismen vor unerlaubtem Zugriff geschützt und zusätzlich anonymisiert.

Mehr Informationen unter: http://see-kid.at/.