Salinen Austria Logistik- und Distributionssystem

Bei der Salinen Austria AG wird die gesamte Logistikkette in einem Graphen abgebildet, eine kostenoptimale Umsetzung errechnet und in das bestehende Warenwirtschaftssystem integriert.

Ob Auftausalz, klassisches Speisesalz oder Salz als hochwertiger Rohstoff für Medizin, Gewerbe und Industrie, die Salinen Austria AG ist der führende Produzent und Lieferant von Produkten rund ums Salz. Um die termingerechte Zustellung aller Bestellungen sicher zu stellen betreibt das Supply Chain Management (SCM)-Team der Salinen einen beträchtlichen logistischen Aufwand. Zur Unterstützung des SCM-Teams hat die RISC Software GmbH in enger Zusammenarbeit mit den Salinen Austria in einem 4jährigen Projekt eine Logistiklösung entwickelt.

Wesentliche Ziele des Projekts sind Kosten und Zeitersparnis durch Sicherstellung der Verfügbarkeit des Streusalzes, automatische Auftragsgenerierung, Transportkostenoptimierung, Einhaltung von Lieferfristen, besserer Kundenservice sowie Reduktion der Verladespitzen und dadurch der Wartezeiten der LKWs.

Logistiksystem für Streusalzzuteilung

In der ersten Projektphase wurde ein elektronisches Logistiksystem zur Optimierung der österreichweiten Streusalzzuteilung, d.h. für das Auftausalz für den Winterdienst, entwickelt. Die Straßen- und Autobahnmeistereien entnehmen das zum Streuen benötigte Auftausalz aus Salzsilos, die sich am Gelände der jeweiligen Meisterei befinden. Durch die permanente elektronische Füllstandsüberwachung werden automatisch bei Bedarf Aufträge generiert. Die termingerechte Auslieferung dieser sowie aller anderen Aufträge sicher zustellen ist das Ziel dieser Applikation. Dazu wird anhand einer Vielzahl von Parametern wie zum Beispiel Lieferfristen und Pönalevereinbarungen, mögliche Anlieferzeiten, Menge der verfügbaren Artikel, Verladezeiten und –kapazitäten sowie zur Verfügung stehende LKW mehrerer Frächter ein optimaler Verladeplan erstellt. In diesem Verladeplan wird festgelegt zu welchem Zeitpunkt, welcher Transportauftrag von welchem Frächter von welchem Lagerplatz abgeholt werden soll damit das Salz rechtzeitig beim Kunden ankommt.

Mathematisches Konzept

Um diesen Verladeplan erstellen zu können werden die oben beschriebenen Parameter in einem Netzwerkgraphen abgebildet. Ein Netzwerkgraph eignet sich zur Abbildung von komplexen Strukturen, er beinhaltet neben den vorkommenden Elementen auch alle Abhängigkeiten untereinander.

Auf diesen Graphen wird ein Minimum Cost – Maximum Flow Algorithmus angewendet, das heißt es werden die minimalen Kosten bei maximalem Duchsatz errechnet. Die geschaffene Lösung verbindet die Aufgaben von Straßenmeistern, Frächtern sowie Disponenten der Salinen Austria in einem System. Darüber hinaus wurde eine vollständige Integration in das Warenwirtschaftssystem der Salinen Austria geschaffen.

Logistiksystem für verpackte Ware

Im Zuge der Reorganisation der Stückgutlogistik der Salinen Austria kam das Unternehmen erneut auf die RISC Software GmbH zurück um die Anbindung des neu gebauten vollautomatischen Hochregallagers an die bestehende Logistik-Applikation umzusetzen und diese auf verpackte Ware zu erweitern. Durch diese Umstellung können nun auch die Aufträge von der bereits implementierten Logistiklösung profitieren, die zuvor nur Aufträge aus dem Bereich Auftausalz behandeln konnte. Dabei wurde auch ein einheitliches Benutzerinterface geschaffen, sodass es für den Mitarbeiter des SCM-Teams keinen Unterschied macht ob er einen losenoder einen Stückgut-Auftrag behandelt.

Technische Umsetzung

Die beiden Systeme können getrennt, zum Beispiel auf verschiedenen Servern zur Verbesserung der Performance, betrieben werden und sind prinzipiell unabhängig voneinander. Durch Benutzung einer gemeinsamen Codebasis wird die Wartung und Weiterentwicklung erleichtert. Als Technologien wurden Java zur Implementierung eines Servers, .NET zur Implementierung des Benutzerinterfaces sowie diverse Algorithmen aus dem Bereich der Graphentheorie eingesetzt. Als Backend dienen eine IBM iSeries (i5, AS/400) sowie mehrere Oracle Instanzen.

Download als PDF

Hervorzuheben ist noch, dass sich in den Regeln die Fachbegriffe der Mitarbeiter wie z.B. „Sortiermassstab“ oder „Einlagerungsanfrage“ wieder finden. Diese werden automatisch in Drools-Anweisungen übersetzt. Durch Verwendung von den Mitarbeitern geläufigen Fachbegriffen werden die Kommunikation und das Verständnis erheblich erleichtert. Darüber hinaus kann die Sprache, in denen die Regeln definiert sind, einfach erweitert werden, um zukünftige Anforderungen abzudecken.

Verteilte Systeme

Um die Regeln austesten zu können, wurde das System dahingehend entwickelt, dass mehrere Optimierungs-applikationen untereinander Lagerbestände austauschen können. Somit ist es möglich ein Testsystem und ein Produktivsystem zu betreiben, wobei das Testsystem regelmäßig seine Lagerdaten an die aktuellen Lagerstände vom Produktivsystem anpasst. Einzelne Regeln können somit problemlos auf dem aktuellen Lagerstand getestet werden, bevor sie in das Produktivsystem übernommen werden.

Darüber hinaus ermöglicht eine Webschnittstelle sich einen raschen Überblick über das Lager und dessen Bestand zu verschaffen, die Lagerauslastung zu visualisieren und sich die optimalen Lagerplätze für einzelne Lagerstücke berechnen zu lassen ohne die Performance des eigentlichen Lageroptimierungssystems zu beeinflussen.

Download als PDF