Effizienter Ressourceneinsatz am Beispiel des Transportdienstleister Gebrüder Weiss.

Die Digitalisierung stellt die Transportwirtschaft vor große Herausforderungen und Chancen, die sich nicht zuletzt in neue Geschäftsmodelle umgesetzt werden können. Das automatisierte Generieren von Sendungsinformationen, die sichere Verarbeitung dieser enormen Datenmengen sowie gezielter Einsatz der Informationen für die Ressourcenplanung bieten große Potentiale zur wirtschaftlicheren Gestaltung des Transportes.

Das Transport- und Logistikunternehmen Gebrüder Weiss GmbH betreibt ein großes Logistiknetzwerk für konsolidierte Fracht in Europa und für Luft- und Seefracht weltweit. Gebrüder Weiss ermöglicht just-in-time Sendungen mit kurzen Transportzeiten. Die Waren werden im Vorlauf eingesammelt, in den örtlichen Niederlassungen konsolidiert, im Hauptlauf zum Zielterminal weitergeleitet und zeitnah ausgeliefert. Aufgrund der enormen Anzahl kurzfristiger Transportaufträge gibt es eine große Volatilität im Ressourcenbedarf. Viele der benötigten Informationen sind entweder nicht vorhanden oder können nur rudimentär in der Ressourcenplanung berücksichtigt werden, was zu großen Unsicherheiten in der Kapazitätsplanung für Zustelltransporte führt. Die Disponentinnen und Disponenten müssen daher auf Erfahrungswerte zurückgreifen, um entsprechende Ressourcenpläne zu erstellen. Daraus resultiert, dass entweder Sendungen auf Grund zu gering geplanter Fahrzeugkapazitäten verspätet zugestellt werden, oder hohe Leerkosten durch ungenutzte Fahrzeugkapazitäten entstehen. Am Beispiel Gebrüder Weiss wird im Forschungsprojekt HOPL gezeigt, wie die Unsicherheit der Kapazitätsplanung für die Zustellung im Sammelgutverkehr durch gezielte Aufbereitung großer Datenmengen und deren Verwendung in Prognosemodellen und -berechnungen wesentlich minimiert werden kann.

Ausgangspunkt bilden Sendungsinformationen, die in der „Datenwelt“ von Gebrüder Weiss mit unterschiedlichstem Detaillierungsgrad vorhanden sind. Auf Basis einer Ampel-Klassifizierung auf Grund ihrer Genauigkeit für die Planung in „grün“, „gelb“ und „rot“ können den Disponentinnen und Disponenten genaue Sendungsinformationen bezüglich Gewicht und Volumen in einem Entscheidungsunterstützungssystem zur Verfügung gestellt werden.

Von „grünen“ Sendungen sind alle notwendigen Informationen vorhanden und weisen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit der tatsächlichen Zustellung am Planungstag auf. „Gelbe“ Sendungen sind in der „Datenwelt“ von Gebrüder Weiss vorhanden, aber die für die Planung relevanten Informationen sind noch nicht vollständig. Diese Sendungen werden nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit für den Planungstag berücksichtigt. Aus der Analyse von mehrjährigen Vergangenheitsdaten lassen sich Residualmengen bzw. -sendungen ableiten, die in Form eines Prognosemodells den gut planbaren „grünen“ und „gelben“ Sendungsmengen absolut bzw. prozentual aufgeschlagen werden. Dieser Anteil wird als „rote“ Sendungen im Entscheidungsunterstützungssystem angezeigt. Geeignete Visualisierungen der kategorisierten Transportmengen unterstützen die Disponentinnen und Disponenten durch einen simulationsbasierten Ansatz.

Mit der entwickelten Methode gelingt es, die Sicherheit der relevanten Informationen von derzeit 30% auf nahezu 90% zu erhöhen. Damit können anhand richtiger Ressourcenentscheidungen Leerkosten bzw. Pönalen durch schlechte Lieferqualität vermieden werden.

Bild: © Gebrüder Weiss