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Die moderne Medizin wird immer komplexer, mit immer neuen – oft teuren – und immer komplizierteren diagnostischen und therapeutischen Prozessen. Ein zentrales Ziel von Medizincontrolling ist es, dafür zu sorgen, dass alle medizinischen Leistungen, die die PatientInnen erhalten, effektiv und effizient erbracht werden. Das heißt, dass sie dazu beitragen die Wahrscheinlichkeit des gewünschten Behandlungsergebnisses zu erhöhen.

Allerdings scheint es bisher schwierig, Behandlungsergebnisse und Kosten bei der Erbringung medizinischer Leistungen zu vergleichen, bzw. systematisch zu beurteilen ob die behandelnden ÄrztInnen und Pflegende nicht nur einen medizinisch „besten“ Weg zu Diagnose und Therapie gewählt haben, sondern auch den ökonomisch sinnvollsten.

Ein wichtiges Instrument zur Messung und zum Vergleich von Behandlungsergebnissen und der Kosten, die dadurch verursacht wurden, ist Benchmarking.
Das gemeinsame, FFG geförderte Projekt OBIK (Ontologie-basierte Benchmarking Infrastruktur für Krankenanstalten) der Fachhochschule OÖ und der RISC Software GmbH machte es sich zum Ziel, eine Infrastruktur zu schaffen, mit der die Leistungen von Krankenanstalten objektiv miteinander verglichen werden können, um den behandelnden ÄrztInnen wertvolles Feedback über ihre Arbeit (Ergebnisqualität) als auch über den Ressourcenverbrauch zur Erreichung der therapeutischen Ziele geben zu können. Dabei können Optimierungspotentiale identifiziert und Verbesserungsvorschläge entwickelt werden.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die strukturierte Erfassung und sichere Speicherung der wertvollen medizinischen Daten. Da Benchmarking Prozesse selbst oft Optimierungen und Anpassungen unterworfen sind, war sowohl eine solide aber dennoch flexible Datenbasis für die gesammelten Daten erforderlich. Um diese Anforderungen zu meistern kooperierte der Studiengang Prozessmanagement Gesundheit (PMG) des Campus Steyr, vertreten durch Dr. Klaus Arthofer, mit der Forschungsabteilung Medizin-Informatik (RISC) um gemeinsam diese Problemstellungen im Bereich der medizinischen Datenaufbereitung lösen zu können.
Alle für einen medizinischen Fall relevanten Daten werden aus verschiedensten Quellen in einer Datenbasis zusammengeführt und dann für die weitere Verarbeitung einer automatischen Plausibilitätsprüfung unterzogen um fehlerhafte Daten entweder zu korrigieren oder von der Analyse auszuschließen.
Die hohen Ansprüche an die Flexibilität sowohl der Datenstrukturen als auch des Regelwerkes machen den Einsatz von speziellen Meta-Datenmodellen notwendig. Dabei kommt Software zum Einsatz die bereits mit dem Gesundheitscluster Genius Award 2011 ausgezeichnet wurde.
Um die Objektivität und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, werden nicht nur die erbrachten Leistungen verglichen, sondern es wird auch die individuelle Ausgangssituation der PatientInnen – das „PatientInnenrisiko“ – mittels einer Vielzahl von Informationen aus den Krankenakten statistisch berücksichtigt. Man spricht hierbei von „Risikoadjustierung“.
OBIK unterstützt LeiVMed (Leistungsvergleich in der Medizin). LeiVMed ist ein Non-Profit-Programm des Studienganges Prozess Management Gesundheit (PMG) und dient einerseits wissenschaftlichen Zwecken, andererseits Synergien mit der Lehre. LeiVMed wurde von PMG im Zuge mehrerer Praxis- und Forschungsprojekten sowie nach zahlreichen internationalen Recherchen entwickelt.
In Zusammenarbeit mit der gespag werden aktuell in einem Pilotprojekt mit den allgemeinchirurgischen Abteilungen bei PatientInnen mit den Operationen Leistenbruch, Galle, Schilddrüse und Blinddarm der medizinische Outcome sowie die bei der Behandlung anfallenden variablen Kosten gebenchmarkt. Dabei handelt es sich um 30% der allgemeinchirurgischen PatientInnen. Die Ergebnisse aus den Vergleichen und divergierenden Herangehensweisen der einzelnen Abteilungen werden zur Identifikation von Best Practice Modellen und konsekutiver Qualitätsverbesserung bei gleichzeitiger Senkung der Behandlungskosten eingesetzt.